Das Geschäftsmodell Palästina

Wie bereits angekündigt, widmet sich ein großer Teil meines Blog um Fragen rund um Palästina. Hier muss ich ganz zu Beginn auch ganz deutlich einen Trennstrich ziehen.

Wer im Zeichen palästinensischer Unabhängigkeit antisemitische Parolen grölt und es total super findet, dass Hamas ständig Sprengsätze in israelischen Bussen oder an Grenzübergängen zünden, darf sich gern irgendwo einweisen lassen. Zwar bin ich kein großer Freund israelischer Politik, doch hat dies absolut nichts mit antizionistischer Propaganda zu tun, sondern ganz schlicht und ergreifend mit der Tatsache, dass ich glaube, dass Israel und Palästina eine „Lebensberechtigung“ haben.

Ich glaube also an ein friedliches Miteinander.

Dabei finde ich israelische Luftangriffe auf Gaza ebenso unmenschlich, wie die Selbstmordattentate von palästinensischen Gotteskriegern in israelischen Schulbussen. Den Unterschied macht die Weltöffentlichkeit. Ein gesprengter israelischer Schulbus mit 2 Toten und 30 Verletzten wird in den Medien weit begeisterter transportiert als ein, nach einem Bombenangriff, in sich zusammenstürzendes Wohnhaus in Gaza – mit 30 Toten und 2 Verletzten. Leid wird also gewogen und legalisiert. Die kollektive Empörung unterliegt damit einer vordefinierten Doktrin. Und das finde ich ebenso verwerflich wie gefährlich. Wer Leid gegeneinander aufrechnet, muss dabei zwangsläufig seinen Favoriten definieren. Somit wird dann das eine Leben „wichtiger“ als das Leben eines anderen Menschen. Wer kann das gut finden oder gar begrüßen?

Der Nahost-Konflikt kommt mir so ein bisschen vor, wie der von Orwell in seinem Roman „1984“ beschriebene „große Krieg“, in welchem die Konfliktparteien ihre Politik und Überlebensberechtigung eben aus dieser Auseinandersetzung ziehen. Das Vorhandensein eines sehr lebendigen Feindbildes wird beiden Parteien sehr viel Solidarität in der Bevölkerung einbringen. Doch zu welchem Preis? Dabei spielt es keine Rolle, ob fundamentalistische Hamas-Gotteskrieger junge Männer für ihren Kampf begeistern oder ob eine ultra-konservative Partei in Israel um Wähler buhlt. Verlogen sind sie alle beide! Niemand dieser beiden wird je zu einer Konfliktlösung beitragen. Beide Parteien ziehen ihr Dasein aus dem lebendigen Konflikt selbst und sind damit auch an seinem Fortbestehen interessiert.

Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden. Ich habe viele Stunden darüber nachgedacht und frage mich ernsthaft, welche Gründe diesen Konflikt immer wieder so anheizen. Ist es Religion? Ist es politische Ideologie? Zumindest scheinen die Gründe so sehr viel größer und wichtiger zu sein, als das Leiden der Zivilbevölkerung oder weinende Kinder mit staubigen Haaren. Ich selbst vermag keinen vernünftigen Grund erkennen. Mir selbst fehlt der „große Gedanke“ im Angesicht eines weinenden Kindes, welches man aus einem Trümmerhaufen zieht. Für mich symbolisiert dieser andauernde Konflikt die Perversion von ideologischer Politik oder Religion. Überhaupt tun dies alle Kriege – egal, ob nun in der Ostukraine oder in Syrien. Vor dem Bild eines weinenden und verwundeten Kindes sollte jede „große Idee“ verstummen. Leider schreit sie dann umso lauter.

Interessant finde ich dabei schon, wie schwer es ist, sich in diesem Konflikt zu positionieren. Ich bin weder Israeli, noch Jude oder Palästinenser.

Wählt man in diesem Konflikt allerdings eine Seite, dann fällt man automatisch in ein vordefiniertes Raster. Ich selbst glaube, das Palästina als autonomer Staat existieren sollte. Ich selbst finde, dass die israelische Politik sich sehr auf ihre „Opferrolle“ versteift, um in der Weltöffentlichkeit Zuspruch zu gewinnen. Dabei spreche ich mich weder für antisemitische Hetze aus, noch dafür, dass Israel „ins Meer getrieben“ werden muss, um einen Frieden für Palästina zu gewährleisten. Das wird allerdings sehr oft unterstellt, sobald man sich mit seiner Meinung Pro-Palästina positioniert. Völlig pervers, oder?

Ich sehe diesen Zusammenbruch der Objektivität sehr eng verbunden mit dem Verlust von Bildung. Ein wütender Mob ist sehr viel leichter in eine bestimmte Richtung zu lenken, als ein kritischer Geist. Wenn man ein wohl gepflegtes Feindbild hat, ist der Schuldige schnell gefunden – und was für ein Glück, wenn die Presse dann noch dramatische Fotos von verwundeten und weinenden Kleinkindern präsentieren kann? Damit wird dieses Kind dann für die Propaganda instrumentalisiert und die Wut der Bevölkerung auf die entsprechenden Täter gelenkt. Nach Objektivität oder gar Argumenten wird dann nicht mehr gefragt und selbst die eigentlichen Gründe verblassen mit der Zeit… oder kann einer von euch noch sagen, wann und warum der Nahost-Konflikt überhaupt entstanden ist? Ich behaupte, dass auch mehr als die Hälfte der brennenden Hamas-Gotteskrieger oder die eisernen Verfechter zionistischer Ideologie das ebenfalls nicht mehr wissen – bzw. es ihnen total egal ist. Im Mittelpunkt dieses Konfliktes steht damit nicht das Herbeiführen einer friedlichen Lösung, sondern die Aufrechterhaltung des Konfliktes. Die Rolle der israelischen Politik als staatliche Instanz ist hierbei natürlich schärfer zu bewerten, als die einer nichtstaatlichen Opposition.

Genau darum geht es mir.