Meinungsfaschismus – nicht bei mir

Durch Zufall geriet ich in einen handfesten Streit mit einem Arbeitskollegen, nachdem ich mich positiv zum Thema Palästina geäußert habe. Das passiert mir öfter. Der betreffende Kollege ging mich dann natürlich sofort an und wollte wissen, wie ich zu Israel stehe. „Kritisch mit dem Hang zur Abneigung“, war meine ehrliche Antwort.

Das reichte meinem lieben Zeitgenossen dann, ganz selbstverständlich, aus, um mich als antisemitischen Hetzer und so weiter zu betiteln. Für Nachfragen auf eine Begründung oder Argumente war mein Kollege natürlich auch nicht mehr zugänglich. Es wurde gezetert und gepöbelt, was das Zeug hielt.

Ist euch das auch schon aufgefallen? Die Menschen verlieren mehr und mehr die Fähigkeit eine Diskussion zu führen. Gedacht wird in Schwarz und Weiß. „Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag’ ich dir den Schädel ein.“, scheint die neue Devise. Die Leute hören sich nicht zu – von Gründen oder Argumenten ganz zu schweigen. Dieses Phänomen ist mir auch schon in Sozialen Medien aufgefallen. Jemand schreibt seine Meinung zu irgendeinem Thema und dann wird nach Herzenslust und völlig ungehemmt gepöbelt, geschimpft, gedroht und gemeckert. Niemand macht sich die Mühe, einmal nachzufragen, warum der Urheber diese Meinung hat. Niemand kommt auf die Idee eine „dumme Meinung“ eventuell mit Argumenten zu widerlegen – anstatt mit Pöbeleien. Ich selbst würde dies sehr hilfreich finden. Wie ich schon einmal sagte: auch ich bin nicht der brennende Busch oder habe bei der Verteilung der Weisheit Nachschlag bekommen.

Ich mache ebenso Fehler oder verrenne mich in irgendeinen Sachverhalt, wie alle anderen Menschen auch. Das passiert uns allen. Wenn man sich nun in seiner Meinung grob verzettelt, wäre es doch schön, wenn andere Menschen sachlich auf diese Fehler hinweisen. Dann könnte man sich das Gehörte überlegen und eventuell seine Meinung korrigieren; oder aber auch auf seiner Meinung beharren. Das ist Diskussion. Zwei unterschiedliche Meinungen treffen aufeinander und versuchen sich gegenseitig mit den jeweils besseren Argumenten zu überzeugen oder aber mindestens einen Kompromiss herbeizuführen. Was ist daran so schwer? Solltet ihr also hier in meinem Blog wirklich dumme Einträge finden, dann postet mir bitte nicht in die Kommentare, wie blöde ich bin, sondern erklärt mir warum ihr eine andere Meinung habt. So halte ich es für gewöhnlich. Immer vorausgesetzt natürlich mein Gegenüber ist noch für ein Gespräch zu haben. Wenn die Halsadern hervortreten und in den Augen vor Wut kleine Äderchen platzen, verzichte ich selbstverständlich auf so ein Gespräch.

Ich frage mich allerdings sehr, woran das liegt. Es gibt so ganz gewisse Reizthemen, die man unter keinen Umständen berühren oder diskutieren darf. Israel und Palästina zum Beispiel. Sobald man sich für eine der beiden Konfliktparteien ausspricht, wird man schnell öffentlich bezichtigt, an der jeweils anderen Partei einen Völkermord zu planen. Homosexualität ist so ein Thema. Oder auch „sexuelle Selbstbestimmung“. Sobald man hier Fragen aufwirft, die in die Richtung von ethisch-moralischen Begriffsdefinitionen tendieren, hat man das Siegel eines homophoben Hetzers. Gleiches gilt für bestimmte Religionszugehörigkeiten, den Netzfeminismus oder bestimmte politische Parteien. Die Anhänger und Gegner dieser Themen diskutieren auch schon lange nicht mehr miteinander.

Da wird nur noch geschimpft und gepöbelt. Argumente, Gründe, Denkansätze oder Ideen ersticken im Grabenkampf der gegenseitig zugewiesenen „Phobien“. Bei vielen gesellschaftlichen Themen ist mir das alles verhältnismäßig egal – ganz einfach weil mir der Bezug fehlt. Im Falle des Nahost-Konfliktes finde ich diese Haltung sehr traurig, weil genau diese Starrköpfigkeit dazu beiträgt, dass sich dieser Konflikt über Generationen erhält. Und wieder seufze ich einen sehr lauten Seufzer und frage mich, ob ich wirklich der Einzige bin, dem das auffällt, bzw. warum niemand etwas dagegen unternimmt.

Wir zwei könnten damit beginnen. Du, lieber Leser, und ich. Das nächste Mal, wenn uns in den Sozialen Medien einer so richtig blöd kommt, dann pöbeln wir nicht zurück, sondern erklären unsere Position möglichst sachlich, argumentativ und fundiert. Mal schauen, was passiert. Zu unserem Schaden wird es sicher nicht sein.

Meine Kühlbox und ich

 

Es gibt zwei Dinge, die ich nicht verleihe und mit denen man mich wirklich empfindlich treffen kann: meine Bücher und meine Kühlbox. (Klar ist es komisch, dass ich diesen Artikel im Winter schreibe. Aber ich vermisse den Sommer.)

Der Hintergrund für diese ungewöhnliche Leidenschaft?

Vor einigen Jahren segnete mein Kühlschrank das Zeitliche und es gelang mir kurzfristig nicht ein Ersatzgerät zu bekommen. Das Geld für ein Neugerät wollte ich nicht ausgeben und sämtliche Kleinanzeigen und Gebrauchtwarenhändler hatten zu der Zeit keine Kühlschränke im Angebot. Als echter Höhlenmensch schaltet man dann natürlich auf Stur und ich beschloss erst einmal ohne Kühlschrank auszukommen. Eine nicht ganz so gelungene Idee. Durch Zufall stieß ich dann auf eine Kühlbox. Während man nun bei einem Kühlschrank aufstehen und sich in dessen Richtung bewegen muss, kann man die Kühlbox mit sich herumtragen. Auf den Balkon zum Beispiel. Nach einiger Zeit kam ich natürlich wieder an einen Kühlschrank. Auf die Bequemlichkeiten meiner Kühlbox verzichte ich deswegen nicht. Wenn ich also im Sommer auf dem Balkon liege und etwas lese, packe ich mir mein „Survival-Kit“ in die Box und der Nachmittag kann beginnen. Das ist vielleicht ein wenig absonderlich – doch ich denke es gibt durchaus exotischere Eigenschaften, derer man habhaft werden kann.

Das interessante dabei ist die Reaktion der Mitmenschen. Freunde und Bekannte zögerten selbstverständlich nicht eine Sekunde mit Hohn und Spott, wenn immer ich mit meiner Kühlbox irgendwo auftauchte. Es ist nicht so, dass ich sie ständig dabeihabe. Aber wenn man an den Strand oder den Park geht, kommt es schon nicht selten vor. Gerade in der ersten Zeit sorgte das für recht bissige Kommentare. Inzwischen hat sich dieser Zustand etwas gelegt, denn schließlich war ich stets derjenige, der die kalten Getränke hatte. Ein kaltes Bier schmeckt mir bei 40 Grad im Schatten schlichtweg besser als eine handwarme Plörre. Zwar ist von meinen Bekannten noch niemand auf die Idee gekommen, sich auch eine Kühlbox anzuschaffen aber des Neides bin ich mir gewiss. Alles eine Frage der Außentemperatur. (PS: Falls du nun unbedingt eine Kühlbox kaufen will, dann schaue dir diese Seite an. Hier findest du tolle Kühlbox Tests.)

Meine Bücher habe ich auch erwähnt. Daher sollte ich kurz darauf eingehen. Ich lese viel; halte mich aber relativ fern von aktueller Belletristik. Ich habe nichts gegen einen spannenden Thriller oder ein Buch, welches die Bestsellerlisten stürmt. Selbstverständlich lese ich auch solche Bücher. Viel Zeit verbringe ich allerdings mit Klassikern oder Romanen mit irgendeinem historischen Bezug. Biografien oder generell Bücher rund um die Geschichte finde ich spannend. Die jeweilige Geschichte dazu mag erfunden sein, doch finde ich es immer ganz toll, wenn der Rahmen der Erzählung ein wenig dazu beiträgt, die entsprechende Zeit besser zu verstehen.

Ich glaube, dass man relativ viel mitnehmen kann, wenn man sich in unsere Vorfahren hineinversetzen kann. Dabei liegen mir dann auch eher Bücher, die das Leben der einfachen Leute beschreiben. Ich bin selbst ein Angehöriger der arbeitenden Klasse und beschäftige mich überhaupt nicht mit dem Hochadel, den es ja immer noch gibt. Ich denke, dass diese Leute schon früher so affektiert und machtbesessen waren. Grund genug also, sie nicht zu meinen Lieblingsmenschen zu machen – dementsprechend interessiere ich mich auch nicht so sehr für ihre Geschichten. Es gibt einige sehr gute Bücher ganz unterschiedlicher Art, die mir sehr am Herzen liegen. Vielleicht bekomme ich noch Lust und Gelegenheit das eine oder andere hier vorzustellen.

Seid also gespannt.

Etablierte Phrasen

Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich mich nicht über irgendetwas in der Tagespolitik aufrege.

Ich bewundere unseren, inzwischen verstorbenen, Altkanzler Helmut Schmidt, dem es gelungen ist, Tagespolitik nie zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Er hat sie zwar nicht komplett ignoriert, doch gelang es ihm irgendwie das große Ganze im Fokus zu behalten.

Ich versuche das zwar auch, doch brennt mein Temperament offensichtlich schneller mit mir durch, als das eines Staatsmannes. In den meisten Fällen rege ich mich darüber auf, dass die Probleme der Welt gar keine Probleme wären, wenn man einfach nur seine Geschichte kennt und danach handelt. Da ich sicherlich ein pfiffiges kleines Kerlchen bin; dabei aber keinesfalls mit besonders bemerkenswerter Intelligenz oder Weitsicht gesegnet, gehe ich davon aus, dass dieser Umstand auch anderen Menschen auffällt. Ganz besonders natürlich denen, die es wissen müssen.

Ich unterstelle der Wirtschaft und Politik also Intelligenz. Das ist fatal. Wenn diese Leute nämlich dumm wären, könnte man Dummheiten mit Dummheit entschuldigen. Wenn sie nicht dumm sind, werden Dummheiten zu einer böswilligen Absicht.

Es gibt unzählige Beispiele.

Liest jemand von euch? Ich meine nun nicht Auto- oder Mode-Zeitschriften, sondern echte Bücher.

Wenn man sich die Klassiker der Weltliteratur vornähme, die in vielen Fällen vor einigen hundert Jahren geschrieben wurden, wird man erkennen, dass die Protagonisten dieser Romane sich mit ziemlich genau den gleichen Dingen herumgeschlagen haben, wie wir es heute tun. Liebe, Geld, Schulden, Existenzängste, Kriege, Trauer… und so weiter. Mit Betonung auf „weiter“. In vielen persönlichen Fragen liefern solche Romane sogar Antworten auf Fragen, die man selbst mit sich herumträgt.

Man könnte also von den Erfahrungen dieser Menschen lernen – selbst wenn es sich nur um erfundene Charaktere handelt. Viele Bücher tragen ja durchaus autobiografische Züge der Autoren. Die Figuren werden also nicht völlig aus der Luft gegriffen sein. Ich selbst habe mich in Dostojewskis Erzählung „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ wiedergefunden. Ich meckere ja hin und wieder ganz gern. In diesem Roman treffen wir einen 40jährigen Ex-Beamten, der in seinem Keller hockt und die ganze Welt hasst. Am meisten sich selbst. Sehr oft, wenn ich über dies oder das schimpfe, denke ich ich an diesen Charakter. Zwar schimpfe ich deswegen nicht unbedingt weniger aber durchaus bewusster. Man denkt nach und kommt ins Grübeln. Man stellt seine Handlungen und sich selbst in Frage. Das ist gut – nur so kann man wachsen.

Ganz ähnliche „Anleitungen“ stünden unseren Volksvertretern und Wirtschaftsbossen zur Verfügung. Es gibt unzählige Schriften, Briefe und Bücher von Menschen, die sich vor hundert Jahren schon den Problemen gewidmet haben, wie wir sie heute vorfinden. Eine empfindliche Frage wäre dann natürlich: Warum hat sich der Zustand nicht verbessert? Hat unsere Elite diese Bücher also nicht gelesen – oder aber werden die Erkenntnisse ignoriert? Ich gehe davon aus, dass das etablierte System sehr wohl weiß, was es tut. Es gibt keine Zufälle in Wirtschaft oder Politik. Ich gehe nun nicht so weit, von einer völligen „Gleichschaltung“ zu sprechen. Ich glaube aber schon, dass der treibende Motor unserer Politik und Wirtschaft lediglich Macht und Einfluss ist. Noch nicht einmal Geld – Geld ist eine Ressource – das Mittel zum Zweck. In so einem Licht wirken die Schriften von Rosa Luxemburg fast wie eine Anklage.

Fazit: der Mensch hat sich in den letzten 2000 Jahren kaum weiterentwickelt. Man kann uns mit „Brot und Spielen“ noch ganz ebenso hervorragend beschäftigen, wie die alten Römer. Das System funktioniert. Der einzige Grund warum ich dabei nicht glaube, dass wir alle in der Matrix leben, ist der, dass ich mich weigere zu glauben, dass ein so weit entwickeltes Computerprogramm derart miserabel programmiert ist.

Meiner Meinung nach wäre der einzige Weg aus der Misere eine gute Bildung. Nicht irgendwelche aufgeklärt-spektakulären Thesen von Verschwörungstheoretikern, sondern ganz einfaches fundiertes Allgemeinwissen und gesunder Menschenverstand. Damit würde man eine ganze Menge gewinnen. Oder?

Reisevorbereitungen

Ich reise nicht besonders oft.

Zumindest nicht regelmäßig.

Das liegt weniger daran, dass ich keine Lust hätte zu Reisen – mir fallen nur nicht besonders oft Orte ein, an denen ich unbedingt sein müsste.

Wenn das Wetter besonders sommerlich ist, fühle ich mich auch mit einem Buch und Grill auf dem Balkon sehr wohl. Da muss man nicht um die halbe Welt reisen. Ein weiterer Grund ist der, dass ich Plätze meide, an denen zu viele Touristen auflaufen. Das liegt dann nicht an den Orten, sondern an den Touristen.

Ich bin wirklich kein Menschenfeind, kann dieser affektierten Feierlaune nur absolut nichts abgewinnen. Wenn man sich diese Leute anschaut, bekommt man schnell den Eindruck, die Welt würde übermorgen untergehen und nun gilt es noch einmal zu feiern. Das ist mir dann alles etwas zu laut und aufdringlich. Mit Glück passe ich meine Reiseziele mit Freunden und Bekannten so ab, dass ich Länder und Orte besuchen kann, die nicht in den Sonderangeboten von Pauschalreisen auftauchen. Vor einigen Jahren habe ich einen Arbeitskollegen in der Ukraine besucht.

Da ich nicht als „Tourist“, sondern als Bekannter reiste, brauchte ich nicht eine Nacht des siebentägigen Aufenthaltes in einem Hotel übernachten. Ich schlief die erste Nacht bei einer Tante meines Kollegen auf der Couch und den Rest der Zeit bei der Familie meines Gastgebers. Zwar hat man mir dort auch viele der Sehenswürdigkeiten gezeigt, doch blieb es mir erspart, diese in einer Reisegruppe abzuwandern, die man schon auf große Distanz als solche identifizieren könnte. Zusätzlich bekommt man Eindrücke, die man als normaler Tourist selten bekommt. Angefangen von einer völlig überfüllten Metro bis hin zu einem leicht angetrunkenen Taxifahrer. Von dem hausgemachten Abendessen der Tante ganz zu schweigen. Am Tag der Abreise zog ich meinen Rollkoffer gefühlte fünf Kilometer durch den Schneematsch einer zerfurchten Straße. Die Hälfte meiner Habseligkeiten konnte ich nach der Heimkehr wegschmeißen.

Aus Fehlern wird man klug: ich habe mich hier informiert und mir nun einen Hartschalenkoffer gekauft. Er war im Angebot. Der Vorteil solcher Koffer ist, dass der Inhalt vor Nässe ebenso geschützt ist, wie vor Schlägen – wie es zum Beispiel beim Be- und Entladen der Flugzeugfracht passieren könnte. Mit Griff und Rollen kann man so einen Koffer ebenso umständlich hinter sich herziehen, wie jedes andere Gepäckstück auch. Man braucht sich bei einem Hartschalenkoffer keine Gedanken um ausgerissene Reißverschlüsse oder Einrisse machen. Und: man kann das Ding im Winter zum Rodeln benutzen… rein theoretisch zwar – aber ja ein echter Mehrwert. Der einzige Nachteil, der mir nun tatsächlich auffällt, wäre die Unmöglichkeit so einen Koffer zu überladen. In einer Tasche ist immer noch irgendwo ein bisschen Platz. Ein Hartschalenkoffer ist entweder voll oder er geht wirklich nicht mehr zu. Ich denke, dass ich mich damit arrangieren kann. Zumal ich noch nicht einmal genau weiß, wohin die nächste Reise geht.

 

Irgendwelche Vorschläge?

Das Geschäftsmodell Palästina

Wie bereits angekündigt, widmet sich ein großer Teil meines Blog um Fragen rund um Palästina. Hier muss ich ganz zu Beginn auch ganz deutlich einen Trennstrich ziehen.

Wer im Zeichen palästinensischer Unabhängigkeit antisemitische Parolen grölt und es total super findet, dass Hamas ständig Sprengsätze in israelischen Bussen oder an Grenzübergängen zünden, darf sich gern irgendwo einweisen lassen. Zwar bin ich kein großer Freund israelischer Politik, doch hat dies absolut nichts mit antizionistischer Propaganda zu tun, sondern ganz schlicht und ergreifend mit der Tatsache, dass ich glaube, dass Israel und Palästina eine „Lebensberechtigung“ haben.

Ich glaube also an ein friedliches Miteinander.

Dabei finde ich israelische Luftangriffe auf Gaza ebenso unmenschlich, wie die Selbstmordattentate von palästinensischen Gotteskriegern in israelischen Schulbussen. Den Unterschied macht die Weltöffentlichkeit. Ein gesprengter israelischer Schulbus mit 2 Toten und 30 Verletzten wird in den Medien weit begeisterter transportiert als ein, nach einem Bombenangriff, in sich zusammenstürzendes Wohnhaus in Gaza – mit 30 Toten und 2 Verletzten. Leid wird also gewogen und legalisiert. Die kollektive Empörung unterliegt damit einer vordefinierten Doktrin. Und das finde ich ebenso verwerflich wie gefährlich. Wer Leid gegeneinander aufrechnet, muss dabei zwangsläufig seinen Favoriten definieren. Somit wird dann das eine Leben „wichtiger“ als das Leben eines anderen Menschen. Wer kann das gut finden oder gar begrüßen?

Der Nahost-Konflikt kommt mir so ein bisschen vor, wie der von Orwell in seinem Roman „1984“ beschriebene „große Krieg“, in welchem die Konfliktparteien ihre Politik und Überlebensberechtigung eben aus dieser Auseinandersetzung ziehen. Das Vorhandensein eines sehr lebendigen Feindbildes wird beiden Parteien sehr viel Solidarität in der Bevölkerung einbringen. Doch zu welchem Preis? Dabei spielt es keine Rolle, ob fundamentalistische Hamas-Gotteskrieger junge Männer für ihren Kampf begeistern oder ob eine ultra-konservative Partei in Israel um Wähler buhlt. Verlogen sind sie alle beide! Niemand dieser beiden wird je zu einer Konfliktlösung beitragen. Beide Parteien ziehen ihr Dasein aus dem lebendigen Konflikt selbst und sind damit auch an seinem Fortbestehen interessiert.

Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden. Ich habe viele Stunden darüber nachgedacht und frage mich ernsthaft, welche Gründe diesen Konflikt immer wieder so anheizen. Ist es Religion? Ist es politische Ideologie? Zumindest scheinen die Gründe so sehr viel größer und wichtiger zu sein, als das Leiden der Zivilbevölkerung oder weinende Kinder mit staubigen Haaren. Ich selbst vermag keinen vernünftigen Grund erkennen. Mir selbst fehlt der „große Gedanke“ im Angesicht eines weinenden Kindes, welches man aus einem Trümmerhaufen zieht. Für mich symbolisiert dieser andauernde Konflikt die Perversion von ideologischer Politik oder Religion. Überhaupt tun dies alle Kriege – egal, ob nun in der Ostukraine oder in Syrien. Vor dem Bild eines weinenden und verwundeten Kindes sollte jede „große Idee“ verstummen. Leider schreit sie dann umso lauter.

Interessant finde ich dabei schon, wie schwer es ist, sich in diesem Konflikt zu positionieren. Ich bin weder Israeli, noch Jude oder Palästinenser.

Wählt man in diesem Konflikt allerdings eine Seite, dann fällt man automatisch in ein vordefiniertes Raster. Ich selbst glaube, das Palästina als autonomer Staat existieren sollte. Ich selbst finde, dass die israelische Politik sich sehr auf ihre „Opferrolle“ versteift, um in der Weltöffentlichkeit Zuspruch zu gewinnen. Dabei spreche ich mich weder für antisemitische Hetze aus, noch dafür, dass Israel „ins Meer getrieben“ werden muss, um einen Frieden für Palästina zu gewährleisten. Das wird allerdings sehr oft unterstellt, sobald man sich mit seiner Meinung Pro-Palästina positioniert. Völlig pervers, oder?

Ich sehe diesen Zusammenbruch der Objektivität sehr eng verbunden mit dem Verlust von Bildung. Ein wütender Mob ist sehr viel leichter in eine bestimmte Richtung zu lenken, als ein kritischer Geist. Wenn man ein wohl gepflegtes Feindbild hat, ist der Schuldige schnell gefunden – und was für ein Glück, wenn die Presse dann noch dramatische Fotos von verwundeten und weinenden Kleinkindern präsentieren kann? Damit wird dieses Kind dann für die Propaganda instrumentalisiert und die Wut der Bevölkerung auf die entsprechenden Täter gelenkt. Nach Objektivität oder gar Argumenten wird dann nicht mehr gefragt und selbst die eigentlichen Gründe verblassen mit der Zeit… oder kann einer von euch noch sagen, wann und warum der Nahost-Konflikt überhaupt entstanden ist? Ich behaupte, dass auch mehr als die Hälfte der brennenden Hamas-Gotteskrieger oder die eisernen Verfechter zionistischer Ideologie das ebenfalls nicht mehr wissen – bzw. es ihnen total egal ist. Im Mittelpunkt dieses Konfliktes steht damit nicht das Herbeiführen einer friedlichen Lösung, sondern die Aufrechterhaltung des Konfliktes. Die Rolle der israelischen Politik als staatliche Instanz ist hierbei natürlich schärfer zu bewerten, als die einer nichtstaatlichen Opposition.

Genau darum geht es mir.

Nun bin ich also „Blogger“

„Blogger“. Kein Mensch in meiner Umgebung hätte je damit gerechnet, dass ich einmal beginnen würde einen Blog zu schreiben. Ich selbst am allerwenigsten. Der Blogtitel verrät, was mich beschäftigt.

Allerdings werde ich mich wohl auch weitestgehend, von dem etablierten Geschwafel ebenso unterscheiden, wie von den üblichen anti-israelischen Hetzschriften, die vielleicht viele aus dem Internet gewohnt sind. Das Thema ist weitaus komplexer. Es lässt sich nicht in Schwarz oder Weiß abgrenzen. Das vergessen viele Leute schnell, wenn es darum geht andere zu be- oder verurteilen.

Ein Thema dieses Blog ist also „Palästina“. Es kann sein, dass ich hin und wieder auch andere Themen wähle. Je nachdem, was mich gerade bewegt. Es ist ungeheuer schwer, die Gedanken zu sortieren. Ich glaube auch, dass gerade deswegen ein „privater Blog“ keine schlechte Sache ist. Man hat immer die Möglichkeit, auch mal ein anderes Thema zu widmen, ohne sich und seiner Sache damit untreu zu werden. Ich glaube, dass dies zum „Mensch sein“ gehört. Viele der etablierten Zeitungen wären glaubwürdiger, wenn man die Menschen hinter den Nachrichten und Berichten besser kennt. Wenn ihr mich also besser kennenlernt, werdet ihr auch besser verstehen, warum ich diese oder jene Ansichten vertrete. Dann könnt ihr selbst entscheiden, ob ich Unfug rede oder richtig liege. Egal wie euer Urteil dabei auch ausfallen mag: ich bleibe dabei authentisch.

Große Dinge haben oft kleine Ursachen. Oder kleine Dinge beeinflussen große Prozesse. Ich rede jetzt nicht von dem „Butterfly-Effekt“, wo der Flügelschlag eines Schmetterlings in Omis Garten einen Tsunami in Japan auslöst. Das ist Schwachsinn. Sehr wohl aber sieht man oft nur „das große Ganze“ und vergisst dabei kleine wichtige Faktoren.

Zum Beispiel: Jeder von euch wird eine Zahnbürste besitzen (ich zum Beispiel besitze seit kurzem eine tolle Schallzahnbürste, die ich dank diesem Portal gefunden habe) und sie hoffentlich auch täglich benutzen. Vergisst man das Zähne Putzen ein- oder zweimal, werden nicht sofort sämtliche Zähne ausfallen. Sehr wohl aber wird man einen Zahnbürsten- Besitzer nach zwanzig Jahren von jemanden unterscheiden können, der nie eine Zahnbürste benutzt hat. Da sich jeder Mensch eine Zahnbürste leisten kann, wird es dann auch möglich sein, diesen beiden Menschen ein Zeugnis auszustellen. Der Besitzer einer Zahnbürste wird kein besserer Mensch sein – allerdings wird er weitaus mehr Gewicht auf seinen Platz in der Welt legen, als jemand, der keine Zahnbürste besitzt. Wenn also das Zähne Putzen kostenlos ist, verhindert, dass die Zähne Herausfaulen – eine Zahnbürste kaum etwas kostet – welche Entschuldigung mag also jemand haben, der sich 20 Jahre lang die Zähne nicht putzt? Und was unterscheidet diese Person von jemandem, der jeden Tag 20 Minuten für die Zahnpflege aufbringt?

Man kann das weiterspinnen und sich ein Land vorstellen, in dem niemand auf Zahnpflege hingewiesen wird und Zahnbürsten nur in speziellen Geschäften erhältlich sind. Nach einer Generation werden in diesem Land unzählige Menschen leben, die völlig schlechte Zähne haben. Der Bedarf an Zahnersatz wird massiv ansteigen und neue Arbeitsplätze schaffen. Allerdings werden sich die Menschen auch nicht besonders gesund ernähren können. Karotten und frische Äpfel sind der natürliche Feind von schlechten Zähnen. Dies führt dann wiederum zu neuen Begleiterscheinungen. Die Lebensmittelindustrie wird sich auf die Herstellung von weichen und lutschbaren Lebensmitteln konzentrieren. Tütensuppen werden vermutlich ein echter Verkaufsschlager.

Ein blödes Beispiel? Nun; ich will euch nicht länger auf die Folter spannen. Ersetzt ganz einfach die Zahnbürste mit Bücher oder Bildung. Bücher wären, ebenso wie eine Zahnbürste, für jedermann erschwinglich. Niemand hat also eine Entschuldigung dafür, nicht jeden Tag 20 Minuten Lesen zu können… also ebenso wie Zähneputzen. Gemessen daran, wie attraktiv sich Bildungsferne heutzutage transportiert, kann man also davon ausgehen, dass eine Generation von „Dummköpfen“ einen Zweck erfüllen. Wer hat einen Nutzen davon? Ebenso, wie die Hersteller von Zahnprothesen es irrsinnig super fänden, wenn sich niemand mehr die Zähne putzt, gibt es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Positionen, die einen Nutzen darin sehen, dass Menschen nicht mehr lesen – oder sich bilden. Nennt es, wie ihr wollt. Allein das Fernsehen…!

Ich will mich da nun nicht so hineinsteigern. Ihr habt aber hoffentlich erkannt, worum es mir geht. Ich bin weder der brennende Busch, noch habe ich eine außerordentlich bemerkenswerte Qualifikation in Soziologie oder Politikwissenschaften. Ich habe lediglich ein relativ fundiertes Allgemeinwissen über Geschichte und Politik. Dazu, was fast noch wichtiger ist, eine eigene Meinung. Die ist, wie ihr mit der Zeit erkennen werdet, nicht immer sehr bequem – aber zumindest begründet.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Vergnügen beim Lesen meines Blog.